Deutschlandfunk: Verbotene Berufe für Frauen

05.11.2018
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Deutschlandfunk (In German):

Mehr als 450 Berufe dürfen Frauen in Russland nicht ausüben. Offizielle Begründung: Die Fortpflanzungsfähigkeit der Frau müsse geschützt werden. Aber die Regeln aus Sowjetzeiten sind umstritten – und könnten demnächst gelockert werden.

ADC Memorial hat wegen politischen Drucks in Russland inzwischen in Brüssel ihren Sitz. Ihre Vorsitzende, Stephania Kulajewa, hat maßgeblich die Kampagne „All Jobs for All Women“ gestaltet. Sie sagt: Nun bewegt sich etwas. Das russische Arbeitsministerium überlegt mittlerweile ernsthaft, die Anzahl der Berufsverbote für Frauen zu verringern. Auch Fernfahrerinnen könnten wohl bald ganz legal arbeiten. Aber andere Berufe bleiben Männern vorbehalten. Kulajewa, die aus Russland stammt, sagt über ihr Herkunftsland:

„Die Vorstellung, dass eine Frau in erster Linie Mutter ist und zusätzlichen Schutz braucht, ist sehr stark verbreitet. Die Gründe hierfür sind eine patriarchalische Gesellschaft und ein traditionelles Bewusstsein, nachdem schwierige Arbeit für Männer gedacht ist, und Frauen – Gott sei Dank – solche Stellen nicht bekommen dürfen.“

Erzählt Stephania Kulajewa. Dabei seien Arbeitgeber häufig sogar froh, wenn sich Frauen bewürben. Sie seien verlässlicher, bei männlichen Mitarbeitern seien dagegen Alkoholprobleme häufiger.

„Ich glaube, es ist richtig, die Gesundheit zu schützen, sowohl für Männer als auch für Frauen. Aber ich bin auch dafür, Arbeitsbedingungen zu verbessern: in Zechen, in Chemiefabriken, in Atomkraftwerken. Also dort, wo bei uns manche Berufe einfach verboten werden, muss man eher für mehr Sicherheit kämpfen.“